
| Die Szene darf kein Profil haben |
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Reinhard Richter im Interview mit der NOZ Wenn Reinhart Richter Ziele entwickeln will, blickt er erst mal zurück. „Nehmen Sie die Filmarbeit in der Lagerhalle“, sagt er anlässlich der aktuellen Kulturdebatte im Redaktionsgespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: Aus einer Szeneaktivität ist mit dem Cinema-Arthouse ein erfolgreiches Kulturunternehmen hervorgegangen und mit dem EMAF ein europaweit bedeutendes Medienkunstfestival. Richter kennt die Osnabrücker Kulturszene seit Langem: Als Kulturamtsleiter in den Siebziger-Jahren verantwortete er den ersten Kulturentwicklungsplan mit. Richter kennt aber auch die Kulturszenen anderer Städte, die der gelernte Ökonom und Spezialist für strategische Kulturentwicklung in Kulturfragen berät. So entwickelte er für die Stadt Kassel ein Konzept für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt. Dort setzte er auf zwei Dinge: auf einen „antizyklischen Aufbruch“ und auf große bürgerschaftliche Beteiligung. So vermittelte er eine „Vision, die Stadt durch Kultur zu gestalten“. In der Osnabrücker Kulturpolitik vermisst Richter hingegen das Nachdenken über Perspektiven der Kulturszene „als systematischer Ansatz“. Weder seien eine Bestandserhebung und Analyse gemacht worden, noch habe man über die Zukunftsentwicklung vor dem Hintergrund des demografischen Wandels oder neuer Technologien nachgedacht. Das wäre aber die Basis, um strategische Ziele zu entwickeln und diese in gegebenen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten umzusetzen – Richters fundamentale Kritik an Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski und Oberbürgermeister Boris Pistorius. Auch bewerte die Verwaltungsspitze die freie Szene nach falschen Kriterien. „Ich finde es problematisch, wenn Frau Rzyski beklagt, die Szene habe kein Profil. Die Szene ist Profil“, sagt Richter – mit Betonung auf dem „ist“. Was Dezernentin und Oberbürgermeister als Makel erkennen, macht für den Kulturberater die Qualität aus: Nur die Kraft einer freien Szene könne junge Künstler und Kulturmacher davon abhalten, nach Berlin zu gehen. „Die freie Szene darf kein Profil haben, sondern muss sich ständig ändern, muss neue Ideen aufgreifen, neue Zielgruppen erreichen. Darin liegt ihre Qualität“. Bleibt die Frage der Finanzierbarkeit. Dabei setzt Richter auf Ideen aus der Szene: Kulturfonds, Hotelabgabe hält Richter für geeignet, um die Einnahmesituation zu verbessern. Allerdings warnt er davor, den städtischen Kulturetat sukzessive durch solche Mittel zu ersetzen. Stattdessen plädiert Richter für einen Etat „in einer festen Größe x“, der für vier oder fünf Jahre festgeschrieben wird. Die zusätzlichen Mittel sollten dazu dienen, innovative Prozesse zu fördern. Doch setzt all das ein Umdenken voraus: Statt „projekthaft“ zu agieren, sollten Politik, Verwaltung und auch die Bürger in Kategorien wie „Investitionsrendite“ denken. Was er damit meint? Als Beispiel führt er die Filmarbeit der Lagerhalle an. Eine Urpflanze der Kulturlandschaft der Siebziger, die prächtige Blüten getrieben hat. Von Ralf Döring - Osnabrück Quelle: http://www.neue-oz.de/information/noz_print/feuilleton/24654112.html
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| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 11. Februar 2010 um 06:54 Uhr |
