Keine Kürzungen im Kulturbereich
Eine Initative der Kulturschaffenden in Osnabrück
Elisabeth Lumme zu: Die Spielräume werden kleiner Drucken


Ein Leserbrief


Der Oberbürgermeister entrüstet sich, die Aufregung der Kulturmacher angesichts der Kürzungsvorschläge sei völlig überzogen. „Über Kinderarmut in Osnabrück regt sich niemand auf.“ Wie er in dieser Diskussionsrunde zu solch unsäglicher Aussage kommt, bleibt sein Geheimnis. Aber allzu gerne stelle ich in Bezug auf die Finanzsituation der Stadt Fragen, die über den Kulturhaushalt hinausgehen: Wie kann ausgerechnet in solchen Zeiten die 6,5 Millionen Euro schwere Renovierung der Stadthalle in Aussicht gestellt werden? Wie kurzsichtig muss man sein, wenn man für einen 250 m langer Steg entlang der Hase 600.000 Euro bewilligt? Ist es eine richtige und sinnvolle Investition, weitere sechsstellige Summen in Gutachten zur Westumgehung zu pumpen, wenn jetzt schon klar ist, dass der Bau dieser Straße nur unter größten Schwierigkeiten finanzierbar und daher unwahrscheinlich ist, so sinnvoll diese Straße für Anwohner und den geplanten Wissenschaftspark auch sein mag? Last not least - wie kann der Verwaltungsauschuss ganz ohne Ratsbeschluss eine fünfstellige Summe für die Umbenennung des Hasetorbahnhofs beschließen, obwohl es ein Bürgervotum für die Beibehaltung des Namens aus dem Jahre 2005 gibt?


Die Kürzungspläne von Frau Rzyski haben so heftige Reaktionen erzeugt, weil sie zugegebener Maßen ohne Sachkenntnis und unter Zeitdruck erstellt wurden. Heute kritisiert die Dezernentin, in Osnabrück geschehe nichts Neues mehr. Wie kommt sie zu dieser Aussage? Muss das Figurentheater weichen, weil es eine gute alte Osnabrücker Traditionseinrichtung ist? Ist das „Neue“ ab jetzt die Richtschnur für Sparvorschläge? Wenn Herr Pistorius in seiner Handgiftenrede fragt, „ob die bestehenden Angebote ihre Ziele erreichen, ob sie genutzt werden, ob sie das Potenzial haben, Drittmittel einzuwerben, ob sie so gebraucht und ob sie nachgefragt werden“, dürfen Wähler und Kulturmacher von der Kulturverwaltung erwarten, dass die Überprüfung dieser Fragen mit der gebotenen Sorgfalt ausgeführt wird.


Die Polemik des Oberbürgermeisters gegen die Kulturszene ist ungeeignet, das Gesprächklima über die zukünftige Entwicklung der kulturellen Identität der Stadt zu verbessern. Oder will die Stadtspitze diese Diskussion in Zukunft ohne die freien Kulturanbieter führen? Ein dritter Kulturgipfel wie angekündigt wäre dann ja wohl hinfällig, denn um die städtischen Einrichtungen auf das Friedensmotto einzuschwören, reicht der Ratsbeschluss als Dienstanweisung.


Die Einsparvorschläge waren mit der heißen Nadel gestrickt. Vorausgegangen ist ihnen eine Kulturdenbatte ums Strategiepapier, die genauso kurzsichtig und offensichtlich ohne Sachkenntnis moderiert worden war. Die Folgen dieser falschen Weichenstellung werden die Osnabrücker Bürgerinnen und Bürger noch im nächsten Jahrzehnt spüren. Da erscheint der entfachte Zorn der Kulturszene mehr als angemessen.


Elisabeth Lumme

Telgenkamp 23

49090 Osnabrück





Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 03. Februar 2010 um 00:07 Uhr