
| Kurioser Schrägdenker |
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Michal Dreiey, Leiter des Morgenland-Festivals, im Interview So richtig wohl fühlt sich Michael Dreyer nicht in seiner Gewinnerrolle. Figurentheater weg, stattdessen 30 000 Euro mehr für sein Morgenland Festival? Da wäre er sich wie ein Leichenschänder der Osnabrücker Kulturszene vorgekommen. Deshalb forderte er, ein Kuriosum, weniger Geld: Um 85 000 statt der vorgesehenen 100 000 Euro bat er die Stadt in einem Brief an Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski und Oberbürgermeister Boris Pistorius. Gewonnen hat Dreyer dennoch, wenn auch nicht ganz so viel wie ursprünglich mal gedacht. Denn der Zuschuss soll nun auf drei Jahre festgeschrieben werden. Das gibt Planungssicherheit, eine ungewohnt komfortable Situation für ihn. Der städtische Zuschuss ist aber kein weiches Ruhekissen, sondern die harte Basis seiner Festivalfinanzierung (siehe Kasten). Und wichtiger als Geld ist ihm eine lebendige und funktionierende Kulturszene als Umfeld seines Festivals. So lobt Dreyer den hohen Selbstorganisationsgrad der Szene: „Wenn ich einen Projektor brauche, gehe ich zum Filmfest oder zum EMAF, wenn die iranische Musik brauchen, kommen sie zu mir“, sagt er: ein filigranes Gefüge, das auf kollegialen Zusammenhalt der verschiedenen Einrichtungen basiert. „Es wäre das Schlimmste, wenn das vor die Wand fahren würde.“ Mittlerweile hat sich der Rauch gelichtet, unter dem die freie Kulturlandschaft verschwunden war, nachdem Rzyski ihre Kürzungsbombe gezündet hatte. „Die Stadtverwaltung hat gemerkt, wie schlecht sie vorgegangen ist“, sagt Dreyer. Aber er kann der Debatte auch einen positiven Aspekt abgewinnen: „Das hat gezeigt, welche Energie in der Szene steckt und welche Unterstützung sie in der Bürgerschaft hat“, sagt er. Deshalb sei es fatal, den Rotstift anzusetzen. „Wir müssen jetzt schräg denken“, fordert Dreyer, „und neue Sachen überlegen.“ Ein solcher schräger Gedanke wäre für ihn der „Kulturgroschen“ auf Eintrittskarten für Theater, Museen oder Konzerte. Mit anderen Worten: Er will die Einnahmen erhöhen, um Kürzungen zu vermeiden. „Natürlich ist das Zimmertheater wichtig in dieser Stadt“, sagt er, als Experimentierfeld für Theateramateure wie fürs Publikum. Gleichzeitig hält er es aber für legitim, kulturpolitische Grundsätze zu hinterfragen sowie einzelne Einrichtungen „auf den Prüfstand zu stellen“. Im Bestreben, die Kulturpolitik neu auszurichten, konstatiert er aber auch einen grundsätzlichen Fehler: Er, der mit seinem Festival weltweite Resonanz erzeugt wie niemand sonst hier in der Stadt, lehnt Kultur als Marketinginstrument ab. „Andersherum wird was daraus“: Zuerst muss die Kulturszene für sich und aus sich heraus Qualität schaffen. Die kann dann nach außen wirken. Das Strategiepapier hat da, zumindest in seiner ersten Fassung, falsche Prioritäten gesetzt. Im Übrigen: „Die Verwaltung soll die Infrastruktur schaffen, innerhalb derer Kultur möglich wird“, fordert er, „und nicht Projekte durchführen“. Dafür sind die Kulturmacher da. Und das ist die Rolle, in der sich Michael Dreyer wohlfühlt. Von Ralf Döring Quelle: http://www.neue-oz.de/information/noz_print/feuilleton/24550172.html Nachtrag:Auf telefonische Anfrage erklärt Michael Dryer, dass er selbstverständlichgnicht gemeint hat, dass das Zimmertheater auf den Prüfstand muss, sondern jede geförderte Kultureinrichtung muss sich fragen, ob die Zuschüsse optimal eingesetzt werden.
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| Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 11. Februar 2010 um 06:55 Uhr |
