
| "Vertrauenskredit ist futsch" |
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Offener Brief zur Kürzung des Kulturetats (eb/pr) Osnabrück, 17. Dezember 2009 / Den Sparplänen der Stadt Osnabrück im Kulturbereich weht eine steife Brise entgegen. Wie bekannt wurde, geht es um Einsparungen in einem Umfang von mehr als einer halben Million Euro, von denen das Erste unordentliche Zimmertheater, das Bildungszentrum 3. Welt sowie das Figurentheater besonders betroffen wären: Ihnen droht das Aus, wenn der Kulturetat wie geplant gekürzt wird. Die Osnabrücker Kulturdezernentin und Stadträtin Rita-Maria Rzyski hatte die Sparpläne Ende November im Kulturausschuss vorgestellt. Gegen diese Pläne regt sich massive Kritik: So hat beispielsweise das Figurentheater innerhalb von nur zwei Wochen 5.000 Unterschriften gegen die Schließung gesammelt. Im Nachgang zu einer Aussprache, zu der Rzyski die Kulturschaffenden ins Osnabrücker Rathaus eingeladen hatte und bei der zum Teil hitzig und emotionsgeladen Standpunkte ausgetauscht wurden, wandte sich jetzt Walter Schroth (besser bekannt als Heaven, Frontmann der Band Die angefahrenen Schulkinder) in einem offenen Brief an die Stadträtin. Wir zitieren seinen Brief wörtlich. Sehr geehrte Frau Rzyski, bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir nachhaltig den Eindruck gewinnen, Ihre Äußerungen sind an ... (ein böses Wort gekürzt) und mutwilliger Zerstörungswut in Sachen Kultur nicht zu überbieten. Wir - das sind Musiker, Künstler, Schauspieler, Produzenten und Filmemacher - arbeiten seit nun schon seit über 30 Jahren in der Osnabrücker Kultur und sind zutiefst bestürzt über Ihre Pläne und Vorhaben. Dieses Selbsternannte Möchtegerne-"Oberzentrum" wird, auch Dank ihrer Bemühungen, zur Kulturbrache mutieren. Man könnte die Vermutung anstellen, Sie hätten mit Kultur rein gar nichts am Hut, sondern seien besser als Einsparungs-Scherge bei Opel oder Karmann aufgehoben. Wissen Sie eigentlich welche Arbeit und Bemühungen von wie vielen Kultur-Menschen Sie mit einem Federstrich den Hals umdrehen? Wissen Sie überhaupt, wie viele jetzt die Brocken hinschmeissen werden, weil es einfach keinen Sinn mehr macht, sich kulturell zu engagieren? Ist Ihnen bewusst, dass Städte wie Bielefeld, Münster, Oldenburg etc. Ihnen den Kulturrang mit links ablaufen. Oder sind Sie da völlig benebelt und sehen vor lauter Verwaltung keine Kultur mehr? Seien Sie versichert: unser Vertrauenskredit in die Kulturverwaltung ist futsch. Sie haben keinerlei Vertrauen und Lobby bei den Machern von Kultur. Da können Sie noch so schön dahersalbadern und den Menschen rhetorischen Quark unter die Nase reiben. Halten Sie eigentlich die Bürger, die Sie damit erreichen wollen, für völlig debil, oder was? Inhaltsleeres und zudem verlogenes Politikergeschwafel wird Ihnen keiner abkaufen, oder leben Sie da in einer anderen Dimension der Wahrnehmung? Können Sie sich eigentlich noch ins Gesicht sehen? Das Sie sich nicht schämen. Ihre Maßnahmen sind ein tritt ins Kreuz für alle die sich kulturell -vielfach seit Jahrzehnten ehrenamtlich oder mit privaten Mitteln- engagieren. Was bleibt? Ein durchschnittlicher Fußballclub, ein Zoo, ein Theater, dessen Besuch auf den besseren Plätzen sich der Durchschnittsverdiener sowieso eher selten leisten kann und Massenbesäufnisse a la Maiwoche und Ossensamstag. Peinlich! Die Quittung werden Sie und Ihre Parteigänger garantiert einfahren, seien Sie versichert, da haben Künstler ein Elefantengedächtnis. Das Schöne ist ja, dass es so viele Foren und Plattformen gibt, auf den man heutzutage Nachrichten verbreiten kann. Das werden wir dann auch tun. Wenn Sie Ihre Bemühungen zu einen erfolgreichen Abschluss gebracht haben können Sie sich ja mit einer Kiste Hansa Pils und den VfL Fans am Ossensamstag in der Fußgängerzone volllaufen lassen.
Walter Schroth - Die angefahrenen Schulkinder Quelle: http://www.marktplatz-osnabrueck.de/desktopdefault.aspx/tabid-455/1396_read-25353/
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| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 27. Januar 2010 um 20:14 Uhr |
