Keine Kürzungen im Kulturbereich
Eine Initative der Kulturschaffenden in Osnabrück
Spitzenkultur braucht Basisarbeit Drucken

Domchordirektor Johannes Rahe im Interview


In einer kleinen Serie sollen Osnabrücker Kulturschaffende zu Wort kommen, die von den Sparvorhaben der Stadt betroffen sind. Auf 18 000 Euro Zuschuss soll etwa der Osnabrücker Domchor verzichten. Während eines Gesprächs mit Redakteuren der Neuen OZ nahm Domchordirektor Johannes Rahe dazu Stellung.


Johannes Rabe, Leiter des DomchoresJohannes Rahe lacht zwar gern und herzhaft während des Redaktionsgesprächs in den Räumen der Neuen OZ – doch seinem Ärger über die Kulturverwaltung der Stadt mit Rita Maria Rzyski an der Spitze macht er deutlich Luft. Als Mangel an Gesprächskultur habe er empfunden, zuerst aus dem „Hitradio Antenne“ und nicht von der Verwaltung selbst von den anvisierten Zuschussstreichungen erfahren zu haben. „Wenn man mich vorher informiert hätte, hätte ich erklärt, warum das nicht geht“, sagt er entschieden.


Befremdet äußert sich der Domchordirektor und Leiter des weit über Osnabrück hinaus bekannten Jugendchors auch darüber, dass Kulturdezernentin Rzyski bislang kaum etwas über die Arbeit und das umfangreiche Wirken des Domchores in Schulen wusste. „Wir machen jene notwendige Basisarbeit, die erst die Leistungsträger hervorbringen kann“, erklärt er. Und: „Das Singen wächst raus aus der Gesellschaft.“ Weder in der Familie noch im Kindergarten, noch in der Schule werde genug gesungen, zumal Betreuern die Schulung fehle. „Kinder kennen keine Volkslieder mehr“, bedauert Rahe.


Am genauen Hinhören und Singen melodischer Tonfolgen arbeitet er intensiv mit Kindern und Jugendlichen. Er begann vor 15 Jahren seine Chorarbeit zu stabilisieren – um einen Assistenten mit längerfristiger Perspektive einstellen zu können.


Was ihn irritiert: die Höhe von 500000 Euro Einsparungen im Kulturbereich ab dem Jahr 2013. „Wer hat das festgesetzt und warum in der Kultur? Kann man das nicht woanders einsparen?“, fragt er.


Alternativen zu den harten Sparschnitten fallen ihm sofort ein. „Festivals wie Musica viva für Alte Musik und Classic con brio für Kammermusik könnten unter einem Dach zusammenarbeiten und im kostensparenden Wechsel Biennalen oder Triennalen veranstalten.“ Die Trennung von Stadt- und Land-Kulturtöpfen findet er in diesem Fall hinderlich und „absurd“. „Ich weigere mich, das hinzunehmen.“


Die Idee einer Kulturabgabe für Hotels hält er grundsätzlich nicht für schlecht, obwohl er nicht beurteilen kann, „ob das Sinn macht“. Auch andere Wege, neue Kulturgelder zu generieren, etwa über um 50 Cent erhöhte Eintrittsgelder, findet er bedenkenswert. „Das ist alles sinnvoller als das Damoklesschwert der Kürzung, das gerade in der kreativen Kultur ein Motivationskiller ist“, donnert er.


Der Meinung, auch das Stadttheater müsse einen Sparbeitrag leisten, mag er sich nicht anschließen. „Wenn man ein professionelles Theater will, muss man es auch bezahlen und seine Eigengesetzlichkeit respektieren“, betont er. „Doch vielleicht sollte das Theater öffentlich transparenter darstellen, wofür es sein Geld verwendet.“ Vielleicht kommt dann ja sogar heraus, „dass das Theater mehr Geld braucht“.


Wie sähe die Osnabrücker Kulturlandschaft aus, wenn er sie gestalten könnte? Johannes Rahe nennt drei Aspekte: Die Vielfalt der Osnabrücker Kultur erhalten, die Basisarbeit mit Heranwachsenden stärken und intensiver als bisher mit anderen Kultureinrichtungen zusammenarbeiten. „Da könnten unter einem gemeinsamen Dach neue ,Leuchttürme‘ entstehen anstelle des bislang üblichen Klein-Klein“.


Von Christine Adam
Osnabrück.


Quelle: http://www.neue-oz.de/information/noz_print/feuilleton/24496630.html






Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 26. Januar 2010 um 23:26 Uhr