
| Spielräume durch Bettensteuer? |
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Der Staat schenkt dem Hotelgewerbe einen Teil der Mehrwert steuer, die Hotels teilen das Geschenk mit der Kommune: Das klingt charmant. Fünf Prozent vom Übernachtungspreis oder alternativ 2,50 Euro möchten die Grünen als Kulturförderabgabe für die Stadt abschöpfen. Die Hotellerie aber läuft Sturm. Kein Geschenk, sondern einen „Akt der europäischen Steuergerechtigkeit“ stellt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von nunmehr sieben Prozent dar, schreibt der Kreisverband Osnabrück Stadt und Land der Dehoga, des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands. Überdies soll das Geld in die Hotels investiert werden oder den schlecht bezahlten Hotelmitarbeitern zugutekommen, schreibt nicht nur die Dehoga an die Ratsmitglieder der Stadt Osnabrück: Ähnliches sagen auch leitende Angestellte großer Hotelketten. Die wollen allerdings nahezu alle anonym bleiben – ein Hinweis auf die Brisanz des Themas. Die Grünen erhoffen sich von der Kulturförderabgabe Einnahmen in Höhe von 600000 bis 900000 Euro jährlich. Zum Vergleich: 500000 Euro könnten im Kulturbereich gespart werden, würde der Rat die Sparvorschläge der Verwaltung umsetzen. Die Konsequenzen würden hässliche Löcher in die Kulturlandschaft der Stadt reißen: Schließung der Stadtteilbibliotheken, Streichung der Zuschüsse für Figurentheater, Jugendchor, Aktionszentrum 3. Welt und so weiter. „Durch die zusätzlichen Einnahmen würde sich die Stadt Osnabrück Handlungsspielraum im kulturellen Bereich zurückerobern“, heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen. Schon längst sind andere Kommunen auf die gleiche Idee gekommen: In Köln spricht man bereits etwas despektierlich von der „Bettensteuer“, die rund 20 Millionen Euro erbringen soll. Zumindest stellt sich der dortige SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Börschel das so vor. Auch dort läuft die Dehoga Sturm gegen den Vorschlag, spricht von „Strafsteuer“ und droht mit rechtlichen Schritten. Der Dehoga-Kreisverband Osnabrück Stadt und Land warnt zusätzlich vor negativen Folgen für den Tourismus. Der Chef der Osnabrücker Marketing- und Tourismus GmbH, Oliver Mix, hält sich in dieser Frage bedeckt, sagt aber immerhin, „Osnabrück ist ein Produkt mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, deshalb kommen immer mehr Touristen“. Doch das Preisgefüge in der Hotelbranche ist sensibel: „Eine Preissenkung von einem Euro pro Nacht war uns eine Pressemitteilung wert“, sagt der Sprecher einer Hotelkette, der ebenfalls anonym bleiben möchte. Entsprechend skeptisch steht er einer Kulturabgabe gegenüber: Die würden die Hotels direkt an die Gäste weitergegeben „und fett auf der Rechnung ausweisen“, sagt ein Hotelchef. Ira Klusmann, Direktorin des Steigenberger-Hotels Remarque, vermisst bei dem Vorschlag der Grünen den Zusammenhang zwischen der Abgabe und ihrem Gewerbe: Geschäftsreisenden etwa ließe sich nur schwer vermitteln, warum sie eine Kulturabgabe zahlen sollten. Vor allem aber stört sie der Stil der Debatte: Ohne zu wissen, „wie sich die Hotellerie in Osnabrück engagiert“, sagt sie, hätten die Grünen sie mit dem Vorschlag konfrontiert. In ihrem Hotel beherbergt Klusmann nicht nur Gäste, sondern regelmäßig auch Kulturveranstaltungen. „Intendant Holger Schultze und ich stehen in engem Kontakt, wir arbeiten mit der Dominikanerkirche zusammen, wir schalten auch mal Anzeigen, um einem Veranstalter zu helfen.“ Auch Andreas Bernard, Geschäftsführer des „Walhalla“, sagt: „Wir unterstützen das Theater mit unseren Anzeigen auf allen Programmheften sowie Theaterstühlen gerne – und freiwillig.“ Die Kulturförderabgabe bezeichnet Klusmann dagegen als „Willkür“. Gerne würde sie sich dagegen „mit den Institutionen an einen Tisch setzen“, um nach Lösungen für die Misere zu suchen. Denn auch darin sind sich die Hotelbetreiber einig: „Wir wissen, wie wichtig die Kulturszene für die Stadt ist“, sagt Klusmann. Und damit auch für die Hotellerie. Von Ralf Döring Quelle: http://www.neue-oz.de/information/noz_print/feuilleton/24511572.html Der Artikel im Orginal:
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| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 27. Januar 2010 um 20:14 Uhr |


