Keine Kürzungen im Kulturbereich
Eine Initative der Kulturschaffenden in Osnabrück
20 Cent Kultur-Zuschlag pro Eintrittskarte? Drucken

Ein Artikel aus der "Neuen Osnabrücker Zeitung


Warum sollen Fußballfans des VfL Osnabrück und Zoo-Besucher für die Kulturangebote in der Stadt Osnabrück mitbezahlen? Diese Frage stellen sich seit gestern nicht nur zahlreiche Leser unserer Zeitung.


Den Stein für die lebhafte Diskussion hat ein Antrag der SPD-Fraktion in der Stadt Osnabrück ins Rollen gebracht. Die Sozialdemokraten hatten am Dienstagabend im Rat der Stadt in einem Antrag die Verwaltung aufgefordert, unter anderem konzeptionelle Leitlinien für die Bildung eines Kulturfonds zu erarbeiten. „Eine mögliche Vereinbarung könnte so aussehen, dass alle Partner einen geringen Aufschlag von 20 bis 30 Cent auf Eintrittsentgelte erheben“, so die SPD. In der Folge will die SPD dann aus diesem Topf insbesondere die städtischen Kultureinrichtungen fördern, die im Haushalt 2010 Kürzungen hinnehmen mussten.

Als Partner werden zum Beispiel der VfL Osnabrück und der Osnabrücker Zoo ins Spiel gebracht. Im Klartext: Die dortigen Besucher sollen künftig 20 bis 30 Cent mehr pro Eintrittskarte bezahlen, um die finanziell schwächelnde Osnabrücker Kultur zu retten. Diesem Vorhaben erteilt ein Großteil der Leser, die sich bislang an der Abstimmung auf unserer Internetseite (www.neue-oz.de) beteiligten, eine deutliche Absage.


Und auch Zoo-Geschäftsführer Andreas Busemann kann dem Vorschlag aus der Politik keine positiven Aspekte abgewinnen. „Da soll ein Blinder den Blinden helfen“, stellt er im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Diesen zweifellos überspitzt formulierten Satz führt Busemann weiter aus: Der Zoo hänge ja selbst noch am „Zuschuss-Tropf“ der Stadt Osnabrück. Da könne er nur schwer nachvollziehen, über erhöhte Eintrittspreise andere Kultureinrichtungen zu fördern. Gerade der Zoo habe sich in den vergangenen Jahren über „intelligentes Sponsoring“ weitere Einnahmequellen geschaffen, „und auf Dauer wollen wir unabhängig von der Stadt werden“. Nur dazu müsse der Zoo auch so unabhängig sein, dass er „preispolitische Spielräume“ auch für die eigene Weiterentwicklung nutzen könne.


Busemanns Empfehlung an die Kulturschaffenden und letztlich auch an die SPD in der Stadt: „Erst einmal selbst das Schicksal in die Hand nehmen.“ Leider fehle dazu bei den Kulturleuten oft das nötige kaufmännische Know-how. „Das müssen sie auch nicht haben.“ Dazu könnten ja entsprechende Experten ins Boot geholt werden. Er stehe gerne beratend zur Seite, wenn es darum gehe, die bislang „noch nicht gehobenen kulturellen Sponsoring-Schätze zu heben“.


VfL-Präsident Dirk Rasch reagiert ähnlich wie der Zoo-Geschäftsführer: „Von der Idee der SPD halten wir gar nichts.“ Gerade er habe viel für Kultur übrig, aber deswegen könnten die VfL-Fans nicht verstärkt zur Kasse gebeten werden. Die Stadt könne gerne die vom VfL gezahlten Steuergelder zur Rettung der städtischen Kulturlandschaft verwenden. Ansonsten sei der VfL wie der Zoo bereit, sich mit Ideen und Fantasie einzubringen.


Gestern Abend um kurz nach 18 Uhr relativierte die SPD dann ihren ursprünglichen Vorschlag: „Aus Reaktionen auf die Berichterstattung ergibt sich der Eindruck, die SPD-Fraktion wolle ein Zwangsgeld von je 20 Cent von VfL-Fans und Zoobesuchern erheben, um damit Löcher im Kulturetat zu stopfen. So etwas haben wir nicht gefordert.“ Das Prinzip des künftigen Fonds müsse Freiwilligkeit sein.


Quelle: http://www.neue-oz.de/information/noz_print/stadt_osnabrueck/05-lo-17-rat-aktuell.html




Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 11. Mai 2010 um 15:36 Uhr