
| Wir machen den Scheiß nicht mehr mit! |
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Aufruf der OberbürgermeisterInnen, BürgermeisterInnen, KämmererInnen, KulturdezernentInnen und KommunalpolitikerInnen sowie der Kulturschaffenden: Wir machen den Scheiß nicht mehr mit!
Die Städte und Metropolen konkurrieren heute darum, zum Ansiedlungsgebiet für Unternehmen – vor allem für die sogenannte „Kreative Klasse“ zu werden. Immer mehr geht es darum, ein bestimmtes Bild von Stadt in die Welt zu setzen: das Bild von der „pulsierenden Metropole“, die „ein anregendes Investitionsumfeld und beste Chancen für Menschen aller Couleur“ bietet. Teure stadteigene Marketing-Agenturen sollen dafür sorgen, dass dieses Bild als „Marke“ in die Medien eingespeist wird. Stattdessen nehmen die Probleme in den Städten zu: zunehmende Arbeitslosigkeit und soziale Probleme, schlechte Bildungschancen, steigende Mieten und sinkende Einkommen, verrottete Strassen und abbruchreife Schulgebäude. Noch haben wir keine Zustände wie in den Banlieus von Paris. Aber wir sind auf dem besten Weg dahin. Sozialer Ausgleich, gerechte Verteilung, Chancengleichheit, Integration: dahin! Dann werden uns nicht nur die letzten Investoren den Rücken kehren. Stattdessen sollen wir entscheiden, was an sozialen und kulturellen Leistungen gekürzt oder ganz gestrichen werden soll. Wir können wählen zwischen Angeboten für Kinder- und Jugendliche, für Hartz IV-EmpfängerInnen, für Opern- und KonzerthausbesucherInnen, Volkshoch- und Musikschulen oder den Angeboten der soziokulturellen Zentren und freien Gruppen. Aber wir wollen keine Neiddebatte, die Bereiche nicht gegeneinander ausspielen. Einfach gesagt, aber selten getan. Wenn wir von unseren letzten Euros entweder nur eine Dose Cola oder eine Bratwurst kaufen können, müssen wir uns entscheiden. Wir können uns auch beiden verweigern, weil uns sowohl von dem einen als auch von dem anderen schlecht wird.
Wir glauben: „Eine sparende Stadt“ ist in Wahrheit die segregierte Stadt, wie im 19. Jahrhundert: die Promenaden den Gutsituierten, dem Pöbel die Mietskasernen und die Abbruchbuden außerhalb. Und deshalb sind wir auch nicht dabei, beim Sparen den Weg zu bereiten.
Und wir Städte sind auch konstruktiv und kreativ und nehmen gute Beispiele von Bund und Land gerne auf. Das Naheliegende ist: Die Städte gründen ein Bad-Bank, schreiben die Schulden dort rein, verkaufen das anschließend als Optionspapiere (ist ja gedeckt, weil der Aufschwung bald kommt und der Staat ja ohnehin „ewiger Schuldner“ ist), z.B. unter dem Namen: „creative cities invest-papers“ und erwirtschaften damit wieder neues, vor allen Dingen frisches Geld. Wenn der Aufschwung dann wider Erwarten doch nicht kommt, liquidiert man die Bank einfach. Aktuelle Beispiele dafür gibt es ja reichlich! Wir wollen nicht nur eine Stadt der wenigen Reichen und Schönen, sondern eine Stadt für alle Menschen, die darin leben! Dafür brauchen wir nun mal entsprechende Mittel. Denn dieses Land ist reich genug, um ein gutes Leben für Alle zu gewährleisten! UnterzeichnerInnen des Aufrufs: Rainer Bode, Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultureller Zentren NRW Münster Johannes Brackmann, Grend Kulturzentrum Essen Torsten Nagel, Düsseldorf Gerd Spieckermann, Bahnhof Langendreer Bochum
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| Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 21. Februar 2010 um 21:12 Uhr |
